Tobi’s Blog

Gedanken zur Softwareentwicklung und anderes

Backups, Teil 1: Datenverlust bei DVDs und Rettungsmöglichkeiten

Erstellt von Tobi am Mittwoch 27. Mai 2009

Vor einigen Jahren, so ungefähr als CD-ROM’s aufkamen, begann ich meine Daten auf die Silberschreiben als Backup zu brennen. Schon damals vertraute ich den Dingern wenig und legte immer gleich 2 gleiche an. Mit den Jahren verflog die Angst vor Datenverlust, weil ich keinerlei Probleme selbst mit 10 Jährigen CD-Rohlingen hatte. Als dann DVD’s erschwinglich wurden, übernahm ich das Vertrauen in die neuen Datenträger und benutzte ab dann diese für meine Backups. Das war ein Fehler, den ich bitter bereuhe und auch teuer bezahlt habe.

Das Problem

Insgesamt hatte ich über 2 1/2 Jahre hinweg, meine Backups sporadisch auf DVD’s verteilt, wie es halt gerade passte. Insgesamt haben sich 15 DVDs auf die Art angesammelt, die ich vor einiger Zeit dann mal sortieren und sauber archivieren wollte. Allesamt, ok bis auf eine, in der Hülle im Schrank aufbewahrt und ohne Kratzer, Staub oder sonstige Gebrauchsspuren. Beim Auslesen erhielt ich folgendes, niederschmetterndes Ergebnis:

2 DVDs komplett unbrauchbar
Eine lag für ca. eine Woche auf meinem Schreibtisch (Nordseite des Hauses) und war komplett ausgeblichen, da kann ich den Schaden ggf. noch verstehen, wenn auch nicht wirklich. Die andere war von einfach so kaputt, ohne verkratzt oder ausgeblichen zu sein. Kein Laufwerk konnte sie noch als DVD erkennen. Ein Totalverlust.
4 DVDs schwer beschädigt
Nicht verblichen und keine Kratzer zu sehen. Die äußeren Sektoren waren komplett im Eimer und auch in der Mitte gabs gute Fehlerstellen (woher ich die Fehlerstellen so genau weiß gibts weiter unten). Insgesamt waren ein paar 100MB weg.
6 DVDs leicht beschädigt.
Wieder trotz einwandfreihem Zustand. Hier gabs nur vereinzelte Feher, meißt am Außenrand
2 DVDs minimal beschädigt
Wieder ein super Zustand. Wenn ich sie nur “normal” ausgelesen hätte z.B. über die Dateiverwaltung, währen auch hier Fehler wie bei den 6 leicht beschädigten aufgetreten. Aber mit meinem Lebensretter-Tool konnte ich wenigsten die Daten komplett retten

Damit bleibt, nach Adam Riese, genau EINE komplett unbeschädigte DVD übrig. Da ich das Datum des Brennvorganges auf die DVD gekritzelt hatte, kann ich sagen, es hat sehr viel, wenn nicht alles, mit dem Alter der DVDs zu tun. Der Rohling-Typ war uninteressant, denn Vertreten sind die Marken Fujifilm, Tevion, Intenso und Octron und keiner der Rohlingtypen wurde von Fehlern verschont.

Die (teilweise) Rettung

Geholfen hat mir in erster Linie die Tatsache, dass meine Backups so verteilt und völlig unorganisiert waren. Dadurch waren viele Daten redundant und ich konnte so ca. 90% retten. Aber 10% Verlust, gerade bei z.B. alten Fotos, sind zu hart. Für weitere ca. 9% half mir das Linux-Tool dvddisaster. Die Idee dahinter ist so einfach wie genial. Man kann eine DVD einlesen und jeder einzelne, korrekt gelesene Sektor wird einem ISO-image auf der Platte hinzugefügt. Man kann dann das Image auf einen anderen Rechner legen und mit dessen Laufwerk das ganze nochmal versuchen. Sind dort Sektoren lesbar, die bisher noch fehlten, wird das ISO-Image aufgefüllt. Auf die Art kommt man schon recht weit.

Außerdem kann man das Laufwerk noch so ansteuern, dass die eingebaute Fehlerkorrektur umgangen und diese Arbeit vom Programm übernommen wird. Auch das hilft enorm. Auf diese Art konnte ich die 2 minimal beschädigten DVDs komplett und fehlerfrei auslesen. Mit den Einstellungen, jeden Sektor 10 mal zu lesen und die Fehlerkorrektur auf jede erdenkliche Art zu versuchen, kann man wirklich was erreichen. Das erkauft man sich aber durch sehr viel Zeit, denn meine schlimmste DVD brauchte ganze 1 1/2 Tage um ausgelesen zu werden. Leider nicht komplett fehlerfrei.

Besonders gut an dem Programm ist, dass man aus zwei oder mehr fehlerhaften DVDs eine ganze machen kann, vorausgesetzt man hat exakt gleiche Kopien einer DVD und die Fehler liegen nicht an den selben Stellen. Aber ich dachte ja, zumindest damals, dass Redundanz dieser Art nicht mehr nötig sei.

Der Verlust

Auf den 2 komplett unbrauchbaren DVDs war nur ein TV-Mitschnitt eines Konzertes und ein “bisschen” Musik. Beides ist nicht toll, aber verschmerzbar. Es hätte mich schlimmer erwischen können. Ansonsten fehlt mir nur ein 20KB großes Stück eines tgz-Archives, was gesamt 150MB groß ist. Das sind alle Bilder von vor 2002 die ich besitze. Man könnte denken, dann ist halt nur ein, maximal noch ein Zweites Bild im Archiv kaputt. Aber auch da war mir das Glück nicht hold.

Probleme mit Archiven

TGZ Archive sind scheinbar extrem FehlerINtolerant, denn ich kann die 500kb VOR der fehlerhaften Stelle entpacken, alles dahinter liegende nicht. Ich habe noch keine Möglichkeit gefunden, das zu Umgehen, hoffe aber noch auf eine Rettunng. Auf der Suche nach brauchbaren Alternativen bin nur über Gerüchte gestolpert, das RAR da besser sei. Das werd ich aber auch noch mal genauer testen.

Weiteres Vorgehen

Den Grund für die Ausfälle wollte ja schon herausfinden, also musste Ursachenforschung betrieben werden. Außerdem eine neue Lösung für Backups.

Da das Tool einem auch anzeigt, wo genau die fehlerhaften Sektoren auf der Oberfläche zu finden sind, zumindest kann man sehen, ob es eher im Innenbereich oder eben weiter außen Fehler gab, erhält man einen guten Überblick über den Zustand der DVD. Durch die Anzeige, wie schnell welcher Teil ausgelesen werden konnte, sieht man auch bei komplett fehlerfreihen DVDs und CDs, wie es um den Datenträger steht, da das Laufwerk langsamer wird, je problematischer der Lesevorgang war. Das war eine gute Grundlage, mal ein paar Tests mit den löchrigen Scheiben zu machen.

Folgende Dinge habe ich bereits durchgeführt und werde die Tage ausführlicher darüber berichten:

  • Ursachenforschung, warum DVDs so Probleme machen und ob und wie man die umgehen kann
  • Test der Fehlerkorrektur bei DVD und CD bei Kratzern.
  • Qualität der Checksummen-Dateien zur Fehlerkorrektur mit dvddisaster
  • Langzeittest der Alterungserscheinungen von DVD-ROM, DVD-RW und CD

Fazit

Backups IMMER redundant anlegen und DVD-ROM keinesfalls vertrauen. Da kann man auch gleich seine Daten in /dev/null schieben. Auch Archive oder Verschlüsselung bei Backups nicht verwenden, da die das Problem nur vergrößern. Lieber mehr Datenträger benutzen und die dann wegschließen. Und Teil 2 lesen :)

3 Kommentare zu “Backups, Teil 1: Datenverlust bei DVDs und Rettungsmöglichkeiten”

  1. Michael sagt:

    Hallo Tobi,
    bin über die Meisterkühler auf Dein Blog gestolpert.

    Wenn ich die Geschichte so lese, dann kann ich sagen, dass es eine sehr große Zahl User gibt, auch solche mit Affinität zur Technik, die offenbar glauben, jeder Rohling paßt zu jedem Brenner. No offense intended.

    Aus vielen Jahren teils extrem schmerzhafter Erfahrung kann ich sagen, dass man durchaus relativ ;-) sichere Backups auf bestimmten Medien erzeugen kann. JEDOCH, um eine gewisse Teilredundanz kommt man dabei leider nicht herum.
    In Deinem Fall hätte Dir eine mit dvdisaster vorher erzeugte, angemessen große ECC Datei zu jeder der DVDs wahrscheinlich einiges helfen können.
    Gemeinerweise möchte ich jetzt noch sagen, dass man in TARs am besten nur eines speichert, nämlich NULLEN. Das Format ist für sequentielle Blockdevices konzipiert und steinalt. Wenn Du schon packen müßtest, dann rate Ich Dir dringend zu Formaten wie 7zip (auch unter Ubuntu vorhanden) oder RAR, da sie zwei erhebliche Vorteile bieten, nämlich die Integration von recovery records und die teilweise Wiederherstellung, sofern nicht zu viel der Urdatei beschädigt wurde. Nutzen sollte man das dann aber auch… da hatte ich auch schon ein paar Konsorten als Hilfesuchende hier, da kullerten mir schier die Augen aus dem Kopf….

    Zum Thema Rohlinge und DVD-Backups sei nochmal gesagt, dass es nicht ohne Grund Heerscharen an Techies gibt, die sich über ganz detaillierte Spezifika zu Brenner-Rohlingskombis und Brenntempo, ja sogar Brennbereichen im Netz auslassen. Ich erinnere mich auch an einen schönen Bericht in der ct, in der verschiedene Möglichkeiten erörtert wurden.

    Falls es schon einmal um unersetzliche Erinnerungen geht, ziehe ich meist drei redundante Kopien auf unterschiedlichen Medienklassen vor, also zB eine HDD Version, eine auf DVD und dann ggf sogar noch ein ECC-File von der DVD.
    Übrigens, auch Platten (HDDs) sollten nicht nur im Schrank liegen.

    “Glückwunsch”, daß Du soviel retten konntest. Ich habe speziell bei DVDs teilweise schon Totalverluste nach nur zwei Wochen nach Erstellung (durch Dritte, “klar kann man die Dinger 16fach brennen! Ich hatte da noch nie Probleme” – ja nee, is klar) gehabt.

    Noch was zu meinem “Ruhm”: mein Rekord steht bei ungefähr 500 Gigabyte zerschossenen und unwiderbringlich verlorenen Daten (Platte), sowie ungefähr 150 GB in Form von alterungsunbeständigen und unqualifiziert beschriebenen DVD-Rs (insgesamt gleichbedeutend mit weit über 1000 Stunden kreeativer Arbeit teuer bezahlter Menschen). Natürlich nicht alles auf einmal. :-)

    Also Kopf hoch, es könnte auch bei Deinen 15 Scheiben viel viel schlimmer sein.

    Grüßle aus dem Schwäbischen,
    Micha

  2. Tobi sagt:

    Na das klingt doch so, als ob ich da mal konkreter danach suchen sollte. Danke schon mal für den Hinweis. Bisher bin ich über solche Aussagen nicht gestolpert, nur über die Tatsache, dass man beim Brennen möglichst langsame Egschwindigkeiten (1x) benutzen sollte um die Qualität zu steigern. Aber diese Wissenslücken sollten sich ja hoffentlich leicht schließen lassen (hoffentlich ohne vorher weitere Datenverluste zu haben)

  3. stromsparende Festplatte für Homeserver - Server Support Forum sagt:

    [...] [...]

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