Tobi's Blog

Der goldene Kompass / Das magische Messer / Das Bernsteinteleskop

Erstellt von Tobi am Sonntag 16. März 2008

(His dark materials / von Philipp Pullman)

Auf einen Tipp einer Bekannten hin habe ich mich mal an die drei Bücher herangetraut. Generell ist das ja schon genau meine Richtung, aber sie Tatsache, dass es einen Film davon gibt, hat mich Anfangs auch etwas stocken lassen. Ich hatte Kitsch oder langweiliges Geplapper befürchtet, Disney-Kram eben. Aber der Anfang des Buches war gar nicht mal schlecht: schöne Beschreibungen, kurzweilige Geschehnisse. Alles in allem ist das Anfang des Buches genau das, was ich erhofft habe zu finden. Nett, unterhaltsam, phantasievoll, nicht zu schwer oder hochtrabend. Eine nette Vorleselektüre der Gattung “Judgendbuch”.

Das ging bis ca. zwei drittel des “goldenen Kompass” gut, bis zur Ankunft in Svalbard. Dann wurde die Erzählweise zäh, etwas naiv und langweilig. Mit dem Versuch, Brutalität und Kampfgeschehen detailiert zu beschreiben, verlor sich die Geschichte und das Unheil nahm seinen Lauf. Das erste Buch, den Kompass, habe ich noch recht mühelos fertig lesen können. Aber das schmalzige und super naive Ende machten meine Lust auf den zweiten Band zunichte. Aber ich hatte schon den zweiten Band gekauft.

Das Magische Messer beginnt ein wenig wie ein mittelmäßiges Jugendbuch zeitgenössischer Literatur und versucht dann regelrecht krampfhaft, die Magie des ersten irgendwie dazwischen zu wurschteln. Es kommt keine Spannung auf und interessantes oder übrraschendes passiert nicht. Pullman schafft es, viele Geschichten in Teilen zu beginnen, die schon von vornherein den Eindruck machen, sie seien banal und ziehen das Ganze nur unnötig in die Länge. Es gibt keine Hinweise oder Ereignisse die einen fesseln und irgendwas erahnen lassen. Die Geschichte kriecht zäh und stumpfsinnig dahin.

Es tauchen immer wieder Figuren auf die nur halbherzig beschrieben und gleich wieder verworfen werden. Es ist der Ansatz eines Versuches zu erkennen, irgendwas mit den Figuren machen zu wollen, aber man weiß hundertprozentig dass dieses Geschehen im Nichts endet und eigentlich auch hätte weggelassen werden können. Das geht den gesamten zweiten und auch dritten Band so.

Was ich auch als sehr negativ empfand waren die “technischen” Fehler des Buches. Eines der besten Beispiele ist die Tatsache, dass der Dæmon von Will behauptet, dass er bis vor kurzem nicht wusste, dass er existiert, bis er aus dem Herzen von Will gerissen wurde. Andererseits erzählt Serafina Pekkala Dr. Malone, dass man den Dæmon jedes Menschen sehen kann und das der von Mary neben ihr sitzt. Auch eine typische Unstimmigkeit tritt auf, die ich immer dann vorfinde, wenn die Handlung krampfhaft in eine Richtung gedrängt wird, weil man sich augenscheinlich verzettelt hat. Mrs. Coulter wechselt von übermenschlich Mächtig bis hin zu ohnmächtig. Lord Asriel geht es ebenso. Auch die unbesiegbaren Gespester, die auf mysteriöse Weise von einigen Kirchenmitgliedern gesteuert werden können… sind am Ende nicht mal Teil des Universums und eigentlich allem Leben feindlich gegenübergestellt. Warum lassen sie sich also “lenken”?

Überraschend ist allerdings das Ende, was mich nach den scheinbar endlosen Nebensächlichkeiten schier überrumpelte. Wenn man hunderte Seiten voll Schmalz, Naives und Uninteressantes hat erwartet man gar nichts mehr, aber es kam immerhin noch ein bisschen etwas. Die Umsetzung ist mehr als dürftig und zieht sich über 40 Seiten hin, aber die Idee ist nett. Die Moral der Geschicht’ kann man auf vielem Wege deuten und das macht das Buch schon wieder ganz gut. Kein Friede, Freude, Eierkuchen. Zumindest kein Eierkuchen. Da wieder hat sich Pullman wohl wirklich was bei gedacht. Umschreiben könnte ich es mit “Lebbe geht weida”, obwohl es viel mehr Spielraum bietet.

Alles in allem hatte ich den Eindruck, Pullman hat ein gutes Buch geschrieben, das ein wenig umfangreicher als der erste Band war. Dann wollte oder musste er es auf drei Bücher strecken, vieleicht weil Trilogien so toll sind. Also hat er einen größeren Teil des Anfangs zusammenhängend gelassen, den Rest in winzige Stückchen verteilt und gestreckt. Die Lücken wurden dann von ihm auf dem Weg zur Arbeit oder von irgendeinem anderen irgendwie aufgefüllt. Die Betonung liegt auf irgendwie.

Meine Theorie, dass das Ende eines Buches immer am schwersten ist, hat sich hier nicht ganz bewahrheitet. Es scheint, dass es drei Teile gibt, die alle nicht gut rüberkommen, wenn die jeweils anderen schlecht sind. Aber ich muss sagen, dass ein gutes Ende den Eindruck des Buches im Nachhinein ziemlich verbessern kann. An die Stadt der träumenden Bücher kann ich mich z.B. kaum noch erinnern, da das Ende so fad war. Diese Trilogie ist im Nachhinein gar nicht schlecht, aber nur deswegen, weil meine Erinnerung die zerstückelten, guten Teile zusammenfügen und die sinnlosen auslöschen kann.

Fazit: Pullman schaffte es in der “Einleitung”, einen an zu sprechen, Interesse und Neugier zu wecken, verliert dann allerdings über zweieinhalb Bücher lang diesen Faden und begnügt sich mit bedeutungslosen, uninteressanten Plänkeleien. Wer das Buch nicht zwingend zu Ende lesen will, wird es früher oder später in die Ecke werfen. Das Ende ist gut gedacht, mittelmäßig umgesetzt, aber offen genug um nicht in die standard Gut/Böse/Happy-End/Dramatisches-Ende Versionen zu ergeben. Wer genug Geduld hat, kann es gerne lesen. Empfehlen würde ich es aber nicht.

Nachtrag: Ich glaube so langsam nicht mehr an die Theorie, dass es eigentlich nur ein Buch war und auseinander gezogen wurde. Ich glaube, er hat versucht, mit Hinweisen und Anspielungen Rätzel zu erzeugen, Leer- und Unbestimmtheitsstellen eben *klugscheiss*. Aber mal als Vergleich, ein gutes Rätzel währe z.B. ein Sudoku mit einigen Zahlen ausgefüllt und es gibt keine eindeutige Lösung. Man kann das Rätzel als solches erkennen und sollte von der Geschichte angeregt werden, es zu lösen. Hier wurde ein Sudoku aber mit nur einer Zahl vorgegeben. Die Vielzahl der möglichen Lösungen ist fast unbegrenzt, aber wer hätte Lust auf so ein Rätzel?

Nachtrag 2: eine dunkle Vorahnung. Viele angefangene Geschichten ohne tieferen Sinn? Der Intensionsgleiter z.B. der hinter der Feindlinie zurückgelassen wird? Das riecht auch ein wenig nach “ich will noch endlos Fortsetzungen schreiben können”. Ohoh!

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